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Jahreslosung 2012

Biblische Jahreslosung als tragfähige Orientierung für 2012
Von Bischof Heinrich Bedford-Strohm

Gute Vorsätze für das neue Jahr sind etwas Schönes. Denn sie zeigen, dass wir etwas im Leben zum
Guten verändern wollen. Manchmal sind solche Vorsätze im Laufe des vergangenen Jahres ge-
wachsen, weil wir gespürt haben, dass etwas an einem bestimmten Punkt im Leben nicht stimmt.
Solche Vorsätze sind oft ein wichtiger Schritt hin zu einem bewussteren Leben.

Das gilt nicht für alle Vorsätze. Es gibt auch Vorsätze, die uns von außen eingeredet werden, ohne
unserem Leben wirklich gut zu tun: Abnehmen um jeden Preis, auch wenn das unsere Freude am
Leben ruiniert. Mehr Geld verdienen, auch wenn es uns eigentlich schon gut geht. Sich stark zeigen,
wenn wir uns eigentlich ganz schwach fühlen. Stärke, Schönheit, Besitz, Erfolg. Das sind die Maß-
stäbe, an denen Menschen heute oft gemessen werden.

Manche Vorsätze für das neue Jahr werden diesen Lebensmaximen gewidmet. Doch auch diejenigen,
die sich ganz an diesen Maßstäben orientieren, spüren tief in der Seele, dass damit etwas nicht stim-
mt. Und vielleicht sehnen sie sich sogar insgeheim nach einer tragfähigeren Orientierung. Da werden
sie fündig werden in der Jahreslosung für das Jahr 2012, die ganz andere Töne anschlägt: "Jesus
Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig." (2. Kor. 12,9).

Paulus schreibt diese Worte in seinem zweiten Brief an die Gemeinde in Korinth. Er hat erlebt, wie
schmerzlich und trennend eine Klassifizierung, ein Ranking, ein Messen an Erfolg und Leistung sein
kann. In Korinth wurde offen darüber diskutiert und gestritten, wer wohl der wahre, wer der beste
Apostel sei: Apollon, Petrus, Paulus?

Doch diese Vergleiche haben die Gemeinde in Korinth nicht weitergebracht. Im Gegenteil. Streit und
Konkurrenzkampf drohten die Gemeinde zu zerreißen. In diese Situation hinein macht Paulus deut-
lich: Es kommt nicht in erster Linie auf unseren Erfolg, auf unsere Stärke, auf unsere Leistung an.
Durch die Kraft Jesu Christi sind wir mächtig. Das heißt für heute: es kommt nicht darauf an, wer
die Schönste, der Beste, die Erfolgreichste und auch nicht wer der Reichste ist. Das Denken in Super-
lativen engt ein. Es schafft Misstrauen und die Sorge davor, den hart erkämpften ersten Platz wieder
abgeben zu müssen. Die vermeintliche Stärke wird zur Schwäche.

In der Jahreslosung wird uns dagegen gesagt: Nicht durch unsere Fähigkeiten, unser Auftreten und
unser Können sind wir stark. Stark sind wir durch Jesus Christus. Diese Botschaft befreit. Das gibt
uns Mut, wo wir uns als schwach, unterlegen und machtlos empfinden.

Die Weihnachtsgeschichte und das, was aus ihr geworden ist, kann als Lesehilfe für das Verständnis
unserer Jahreslosung gesehen werden: aus dem Staunen der Hirten über die Geburt des Heilands,
aus diesem Ereignis in ärmlichsten Verhältnissen, ist eine weltgeschichtliche Bewegung geworden.
Und durch alle Entstellungen hindurch, trotz aller Instrumentalisierung dieser Botschaft durch die
Mächtigen in der Geschichte, hat sie ihre Botschaft bewahrt. Wer an der Seite der Schwachen steht,
versteht diese Botschaft. Und wer selbst dieses Schwachsein erfährt- persönlich oder gesellschaftlich-
der darf aus dieser Botschaft Kraft schöpfen.

"Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig" ? darauf zu bauen und zu vertrauen - das ist tatsächlich
der beste Vorsatz, den wir für 2012 fassen können. (2861)

Professor Heinrich Bedford-Strohm, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern







Worte zur Jahreslosung von Präses Nikoaus Schneider
Ein neues Jahr beginnt. Wie ein leeres Blatt liegt es vor uns. Am Anfang braucht man Kraft und
Hoffung, um guten Mutes in das Neue Jahr zu gehen. Da tut der Zuspruch unseres Herrn Jesus
Christus gut, weil er zugleich entlastet und stärkt.

Christus setzt sich für uns ein, Gott ist mit den Schwachen solidarisch, gerade dann, wenn es
schwer wird. Wir wissen nicht, was das kommende Jahr bringen wird, was morgen sein wird, trotz
aller nötigen Planungen und Überlegungen. Wir können damit aber leben, weil Gottes Kraft durch
seinen Sohn in den Schwachen mächtig ist.Was für eine starke Hoffnung und ein großer Trost für
gute und schlechte Tage: Das Evangelium vom Kreuz ? Schwachpunkt der Welt ? wird uns zur
Kraft für das neue Jahr. Aus dieser Kraft können wir leben und handeln. Möge sie Gott auf dem
Weg durch das neue Jahr begleiten.
Präses Nikolaus Schneider, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).





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